Dorota Terakowska - strona g³ówna


Die Bücher Dorota Terakowskas

Die Bücher Dorota Terakowskas Dorota Terakowskas Bücher sind bekannt, werden von polnischen wie internationalen Gremien ausgezeichnet, von den Lesern geschätzt. W³adca Lewawu (1989, Der Herrscher des Lewaws) gehört in Polen bereits zur Schullektüre, Córka czarownic (1991, Die Hexentochter) steht auf der Hans-Christian-Andersen-Ehrenliste, Lustro pana Grymsa (1995, Der Spiegel des Herrn Gryms) wurde mit dem Preis "Der Kleine Dong" von einer Kinderjury als polnischer Kinderbuchbestseller des Jahres ausgezeichnet; Samotno¶æ Bogów (Die Einsamkeit der Götter), das im Mai vergangenen Jahres erschien, rangierte bereits im Juni als Buch des Frühjahrs 1998 auf der Liste der Neuerscheinungen der Raczyhski-Bibliothek. Das bislang von keiner Jury bemerkte Buch W krainie kota (1996, Im Lande des Katers) erklärte meine Tochter Basia, an deren Meinung Dorota Terakowska sehr liegt, inoffiziell, dafür aber sehr bestimmt, zum besten Buch der Autorin.

Ende Februar 1999 erschien Tam gdzie spadaj± anio³y (Wo die Engel vom Himmel fallen), deren Eingangssequenz eine faszinierende Geschichte erzählt:

"Mama! Mama! Komm! Schnell! Es fliegen Engel am Himmel!", rief Ewa, als sie in Mutters Atelier kam, [...] und zog sie am Rock, versuchte, ihre Hand zu fassen, aber Anna beachtete die Kleine nicht. Konzentriert modellierte sie einen großen Klumpen schnell trocknenden Tones, und war, obwohl sie das schon den zweiten Monat machte, immer noch unzufrieden.
"Engel...", wiederholte sie nachdenklich. "Du gibst den Vögeln einen schönen Namen, meine kleine Ewa. Sie müssen sehr groß sein, wenn ihre Flügel so laut schlagen. Sind das Kraniche, Schwäne oder Wildenten?"
"Das sind keine Vögel, Mama. Engel. Ich hab es doch schon gesagt...", beharrte das Kind vorwurfsvoll.

Diese brillante Szenerie wird erst aus dem Gesamtkontext des Buchs verständlich. In einem Interview mit Jacek Su³ek sagte Terakowska, sie habe kein Rezept für ihre Bücher, ihr Schreiben beginne mit einer Idee, dann folge ein nicht-intellektueller, intuitiver Prozeß. Gute Ideen kommen der Schriftstellerin in den überraschendsten Situationen, scheinen auf wie Traumbilder.
Terakowskas literarisches Schaffen begann recht spät, nach einem langjährigen und erfolgreichen Ausflug in den Journalismus. Ihr erstes Buch ist das kleine Kindermärchen Babci Brygidy szalona podró¿ po Krakowie (1986, Oma Brygidas verrückte Reise durch Krakau). Trotz der recht schlichten Handlung (die Hauptfigur, der neunjährige, schwer erkältete Junge Bartek, reist mit einer Oma-Zauberin auf ungewöhnlichen Wegen durch die Stadt) findet man bereits in diesem Werk einige besondere Merkmale des Werks Terakowskas: ihre Lieblingsmotive, die sie in ihrem späteren Schaffen weiterentwickelt und vervollkommnet, originelle Haupt-figuren, ungewöhnliche Raumfigurationen und auch Betrachtungen zur philosophischen Natur des Guten und des Bösen.
Bereits in den Titeln ihrer Werke erscheinen deutliche Zeichen und Symbole, die das charakteristische Klima der Romane Terakowskas entstehen lassen - Welten voller Magie und Geheimnisse. In ihnen erscheinen heidnische Gottheiten und Götzen, Hexen und Katzen, christliche Engel und auch archetypische Figuren: die Große Mutter, die sich hinter der Figur Brygidas verbirgt, der Weise Alte mit Namen Gryms oder der Ungenannte, Herrscher des Lewaws. Terakowskas Hauptfiguren sind anders als ihre Umgebung, in der Wirklichkeit verlorene Sonderlinge. Ein solcher Außenseiter ist auch Bartek, der ein Sternmal des Ungenannten trägt, die Hexentochter, die, um nicht erkannt zu werden, mit Nußsaft bemalt wird, die flammend rothaarige Agata, der kleine Jonyk mit den verschiedenfarbigen Augen, der Lesmians Unscheinling ähnelt, und der große Jon, der eine Vision erlebt. Diese Personen können sich in andere Welten versetzen, durch besondere Übergänge, Korridore, Wege des Traums oder einer psychischen Krankheit, fiebrige Tagträume und meditative Bilder des Inneren. Bartek gelangt nach Uakark durch die Drachenhöhle, die Hexentochter nutzt ihre magischen Fähigkeiten, Ewa und Jonyk überschreiten die Grenzen in das Land des Tarot, "indem sie sich an den Händen halten", mit Leichtigkeit, Jon - ob er will oder nicht - ist unablässig unterwegs. Agata geht durch den Spiegel hindurch wie Alice im Wunderland.
In den so erfundenen Welten, beispielsweise im Land "auf der anderen Seite des Spiegels" des Herrn Gryms, sind Harmonie und Gleichgewicht der Natur verletzt worden. Deshalb ist es Agatas Aufgabe, die Ordnung wiederherzustellen, sogar um den Preis des eigenen Bluts (dieses Motiv erscheint häufig in den Märchen der Brüder Grimm). Diese Form der Integration der Persönlichkeit sollte nach dem rituellen Muster einer Initiationszeremonie ablaufen: Übergang, Suche, Erkenntnis.
Das Wichtigste in den Büchern Dorota Terakowskas sind eben diese Übergänge, die auf Mysterien, Volksrituale, althergebrachte Glauben und Mythen (besonders den keltischen Sagenkreis), Märchen und die heutige Gegenwart zurückgreifen. Das sind Quellen, derer sich Fantasy-Autoren gerne bedienen, etwa Tolkien in seinem Erzählzyklus über Siebenerden, Ursula Le Guin in Erdenmeer, und auch Terakowska, deren Werk zwischen Fantasy und Märchen oszilliert.
Als Fantasy versteht man (nach dem Lexikon der polnischen wissen-schaftlich-phantastischen Literatur von Smuszkiewicz und Niewiadomski) "eine Spielart der Phantastik, die in ihrer gegenwärtigen Form teilweise von der Science fiction herstammt, aber wie zum Trotz gleichzeitig auf die Märchenphantastik zurückgreift [...] und zudem Motive aus Mythologie, Volkssagen, Legenden, Heldensagen und mittelalterlichen Ritterepen aufnimmt [...]. In dieser Spielart der Phantastik ist alles möglich, und es besteht kein Mißklang zwischen den natürlichen und irrationalen Phänomenen, die nebeneinander auf derselben Ebene auftreten."
In dem so verstandenen Literaturgenre unterscheidet man verschiedene Varianten: eine Heldenfantasy, eine Schwert-und-Zauber-Fantasy, eine wissenschaftliche Fantasy. Es hat jedoch den Anschein, daß die Werke Terakowskas der "Phantasie - und Traumfantasy" nahe stehen, gleichzeitig auch dem modernen Märchen, das oft über Initiationen erzählt.
Bei Werken dieses Typs rückt das bereits erwähnte Motiv des Heranwachsens oder einer Metamorphose der Hauptfigur in den Mittelpunkt der Erzählung (so bei Bartek, Luelle, Agata, Ewa und Jon). Diese Figuren sind junge Menschen, die noch nicht die Schwelle zum Erwachsenenalter überschritten haben, oder solche, die versuchen, ihr eigenes "Ich" in einer für sie bedrohlichen und undurchsichtigen Wirklichkeit zu finden. Deshalb wandern sie durch merkwürdige, ihnen unbekannte Welten auf der Suche stählen ihren Geist.
Die symbolische Reise durch verschiedene Welten - vom Mittalalter bis zur Gegenwart - ist der Versuch einer inneren Integration der Person (Jung nennt das Individuation). Erschwert wird sie durch die Trennung vom Ursprung der Kraft, die das Unterbewußtsein jedes Menschen in sich birgt. Denn nur der, der im Besitz der Macht ist, versteht die Sprache der Pflanzen, der Tiere, der Steine, des Wassers und des Windes, kennt fremde Gedanken, hört Stimmen, kann den Lauf der Dinge beeinflussen, vor allem aber sich selbst finden - das beschreibt Terakowska in allen ihren Werken.
In Die Einsamkeit der Götter vollzieht sich die Selbstfindung im Enthüllen innerer Bilder. Aus ihnen scheinen Fetzen, Schnipsel, "Stückchen" der Sicht des eigenen "Ich" auf. Aber um sie zu einem Ganzen zusammenzufügen, braucht der Mensch den Mut, auf dem Weg zu sein. Dann erscheinen - vielleicht - Antworten auf die Fragen: Soll Jon das Tabu brechen, oder muß er seine Familie verlassen? Muß er sterben, damit die Vorhersehung vollständig an ihr Ziel gelangen kann?
Die Bücher Dorota Terakowskas formulieren keine fertigen Antworten.


Alicja Baluch


Poprzednia strona