Dorota Terakowska - strona g³ówna


Die Hauptfigur trägt anfangs keinen Namen. In ihren nächsten Lebensphasen wird sie: das Kind, das kleine Mädchen, das Fräulein, die junge Frau genannt, bis ihr schließlich ihr wirklicher Name offenbart wird: Luelle. Eine alte Zauberin erzieht sie, reist mit ihr durch die Welt, beständig auf der Flucht vor den Verfolgern (sie verbrennen Zauberinnen als Hexen, spüren ihnen nach, knechten das Volk und alle, die dem redlichen Herrscher wohlgesonnen waren). Auf einer Flucht kommt das kleine Mädchen das erste Mal mit Zauberei in Berührung, ihre Zauberin-Beschützerin verwandelt sie in einen Baum. Sie weiht sie in die Kunst des Zauberns ein und zeigt ihr das Große Buch, das dem Kleinen Mädchen die Geschichte des Königshauses Luil erzählt. Das Mädchen bekommt eine neue Beschützerin - die Zweite Zauberin. Mit ihr liest sie das Kleinere Buch. Sie erfährt von der Existenz von Prinzessinnen und der Form der Machtübergabe in diesem Staat - sie wird vollzogen, wenn sich die richtige Person auf den Heiligen Stein stellt. Luelle lernt auch, mit den Sternen zu sprechen, was nicht einmal die Zauberinnen kmnen. Die dritte Zauberin nimmt sie für ein Jahr mit in die Stadt, wo Luelle lernt, die Menschen zu achten und mit ihnen Mitleid zu empfinden. Sie erfährt die Wahrheit über die zwischen Gutem und Bösem zerrissene Natur des Menschen, die sie zuvor nicht kannte. Mit der Vierten begibt sie sich in die Haupstadt der Welt, Ard¿any, sieht die Pracht des einstigen Königreichs und das Elend der Gegenwart.
Luelle wird von Urgh, dem Rädelsführer der Verfolger, entführt und gefangengehalten. Dort lernt sie seinen Sohn Ajok kennen, den Urgh mit ihr verheiraten möchte, damit sich die Prophezeiung im Einzigen Lied, das das Volk singt, nicht erfüllt. Aber Ajok entscheidet sich, ihr gegen den Willen seines Vaters zu helfen, denn auch seine über alles geliebte Mutter stammte aus dem Königshaus Luil. Die Heldin erfährt ihren wirklichen Namen und von ihrer königlichen Abstammung.
Ajok und Luelle fliehen vor Urgh. Das Mädchen wird 17 Ans und zieht wie jedes Jahr ins Gebirge. Dort trifft sie jedoch nicht die Fünfte Zauberin, sondfirn nur einen kleinen grauen Vogel — ein Zeichen dafür, daß die Fünfte Zauberin auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden ist. Luelle bleibt in den Bergen. Ein Jahr später steht sie auf dem magischen Heiligen Stein, damit dieser sie als Königin anerkennt. Der Stein versucht jedoch, sie in einer Falle aus Eis zu töten. Mit den Zauberinnen und Ajok sucht sie den Einsiedler auf und bittet ihn um Rat. Er heißt sie, in der Wüste zu bleiben und sich um Kranke und Sterbende zu kümmern. Das ist für Luelle schwer und erschreckend. Im Verlauf dieses Jahres reift sie und stellt sich an ihrem nächsten Geburtstag wieder auf den Heiligen Stein. Der Stein bebt und gleißt auf, unter ihm quellen Kriegergeister hervor, die das Land befreien. Ajok wird Wanderpoet, Luelle die Königin.


Die Hexentocher

Die Hexentocher Bis zum rettenden Wald fehlten noch ein paar Meter. Die Pferde jagten immer schneller, und ihr röchelnder Atem und das dumpfe Schnauben der .Nüstern hallten immer deutlicher in den Ohren des Kindes. Die Reiter in den Rüstungen gaben bedrohliche und zugleich auch freudige Schreie von sich - wie Jäger, die sich sicher sind, daß das verfolgte Getier ihnen nicht mehr entkommt. Sie ritten geordnet auseinander, bildeten einen Kreis und lachten laut. Es war deutlich, daß die Situation sie belustigte, daß der Anblick der fliehenden alten Frau mit dem kleinen Kind sie erfreute; sie waren sich sicher, daß die Flucht keinen Erfolg haben konnte.
"Ho! Ho ! Hiii! Ho! Ho! Hii!" tönten sie laut, als sie ihre Opfer wie Hasen in den Wald trieben, dessen schwarze Wand trotz der Nähe schon keinen Schutz mehr bot, weil die Jäger so nah waren.
"Faß! Faß sie!" brüllten sie wie auf der richtigen Jagd, trunken von der Vorstellung, daß der Moment naht, da sie die alte Frau und das Kind in den engen, von Pferdeleibern umstellten Kreis getrieben haben werden.
Die Flüchtenden liefen in den Wald. Aber hier, ganz am Anfang war der Wald ganz licht.
"Ihnen nach! Umstellt sie!" schrie der Anführer der Verfolger, die sich jetzt zu einer breiten, kreisförmigen Kette formierten.
Das Kind hörte im Laufen den schnellen Atem der alten Frau, fühlte, wie sie mit jedem Schritt um Schritt langsamer wurden, bis sie endlich, schwer atmend, in dem dichten, breit wuchernden Gebüsch das allerdings keinerlei Schutz bieten konnte, stehenblieben.
...und plötzlich stieß die alte Frau das Kind energisch von sich, murmelte etwas Unverständliches und streckte die gespreizten Finger von sich.
...da kamen die Reiter schon in das Gebüsch geritten. Das Kind spürte den scharfen Geruch des Pferdeschweißes und sah, daß die aus der Ferne schön anzuschauenden Soldaten aus der Nähe schrecklich waren, daß sie den Tod brachten. Das Kind wollte die Hand ausstrecken, um die sichere und vertraute, warme und große Hand der alten Frau zu fassen - und fühlte dabei mit Verwunderung, daß es das nicht tun konnte. Seine Hand gehorchte ihm nicht. Die alte Frau war auch nicht in der Nähe, überall häuften sich nur die laut brüllenden, schrecklichen Reiter auf ihren schäumenden Pferden.
"S i e hat mich verlassen und ist weg", dachte das Kind in seiner Todesangst und versuchte noch einmal, seine Hand auszustrecken, um die drängenden Pferdeleiber wegzuschieben. Als es dies mit letzter Kraft noch einmal versuchte, sah es, daß es statt der Hand einen silbernen Zweig voller Nadeln hervorstreckte...
"Ich bin ein Tannenbaum" dachte es ohne Verwunderung mit Neugier. "Wenn das so ist, so ist der zweite, hohe, silberne Tannenbaum neben mir die alte Frau, denn der stand ja vor einem Moment auch noch nicht hier..."


Aus dem Polnischen von Ulrike Bischof


Kritik

"Der Zyklus über Luelles Reifeprozeß, der durch die Hingabe der Älteren Schwestern, der Zauberinnen, der Hüterinnen des Geheimnisses und der Tradition, der Wächterinnen des Einzigen Lieds, erkauft wird, kann in Analogie zur Entwicklung Lancelots oder Parzivals gesehen werden, als bewußte Übernahme des Erbes von Tradition und Vergangenheit. Terakowska führt ihre Protagonistin dem äußeren Anschein nach durch einen Kreis schlichtester Erfahrungen, läßt sie Strapazen, Hunger und Durst, Furcht und Haß, Dankbarkeit und Loyalität, Stolz und Verachtung erleben.
Die nächsten Zauberinnen, die Lehrerinnen und Beschützerinnen der Prinzessin, agieren jedoch im Untergrund, was dieser Fantasy-Erzählung eine gewisse aktuelle Färbung verleiht, sie vereint heute an Weichsel und Oder heimische Sagen mit der keltischen Schule, die in dem Roman Dorota Terakowskas allgegenwärtig ist."

Ewa Nowacka



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