Dorota Terakowska - strona g³ówna


Held des Romans von Dorota Terakowska Einsamkeit der Götter ist Jon. Der Leser lernt ihn als zwölfjährigen Knaben kennen, der zu Zeiten der Bekehrung der heidnischen Stämme zum christlichen Glauben in einem Dorf in der Prärie zu Hause ist.
Jons Stamm lebt sein Alltagsleben - zerrissen zwischen Angst vor dem alten Gott und Liebe zum neuen Gott der Güte. Jon erhält den Beinamen "Jon auf dem Wege" - aber auf welchem Wege ist er?
Indem der Leser Jons Einladung annimmt, weiß er nur, wo der Weg beginnt. Am anderen Ufer, in der Prärie. Aber schon das Überqueren des Flusses an dieser Stelle verlangt einen Tabubruch, auf den der Leser sich mit Jon einläßt. Am anderen Ufer führt der Steinerne Weg zum Namenlosen, dem Gott Swiatowid, den "tausende, zehntausende Menschen vor Jahrhunderten zum Leben berufen haben". Seine Zeit ist unumkehrbar abgelaufen, und das Neue, das kam, sollte besser sein und hieß Zivilsation. Was bringt diese Zivilisation?
Schauen wir mit Jon vor uns hin, dorthin, wohin die Augen des Gottes schauen - und wir gelangen jedes Mal in eine andere Welt:
In die grüne Welt eines Operationssaales hier und heute. Jon führt als hervorragender Chirurg eine Routineoperation aus - eine Herztransplantation. Im sterilen Behälter liegt jedoch eine Überraschung der "Schneekönigin" - das Herz eines Mörders... und der Junge wird nach gelungener Operation selbst zum Mörder. Jon will ihm helfen und wird ihm helfen, wofür er den hohen Preis seines eigenen Lebens bezahlt.
In einer anderen Welt lernen wir mit Jon ein einfaches Mädchen aus einem Dorf kennen (Jeanne d'Arc), die wir später auf dem Scheiterhaufen wiedertreffen werden. Vom Tode kann Jon sie nicht mehr retten, aber vor dem Vergessen, indem er ihr einen Tropfen vom Wasser des Lebens gibt. "Das ist kein Wasser des normalen Lebens, sondern des Lebens nach dem Leben. Du stirbst, aber leben wird das Andenken an dich. Sehr lange. Immer. Ewig."
Jon versteht, daß seine Zivilisation Furchtbares wie die Scheiterhaufen mit sich bringt: "Scheiterhaufen sind gegen Gott. Gegen alle Götter, die je existiert haben und existieren werden." Um den alten namenlosen Gott zur letzen Ruhe zu begleiten, um seine Mission zu erfüllen, läßt Jon Frau und Kind zurück. Er stirbt in dem Moment der Geburt seines Sohnes. Eine anspruchsvolle Lektüre mit Bezug zur gemeinsamen europäischen Geschichte für alle, die keine fertigen Antworten erwarten und Schwarz-Weiß-Malerei nicht mögen.

Einsamkeit der Götter

Einsamkeit der Götter
Die Trommelwirbel wurde immer schneller und klang jetzt wie tausende Pferdehufen, die über den Steinernen Weg galoppieren. Diesen Weg auf der anderen Seite des Flusses hatte Jon durch Zufall gefunden, aber ehe er einige dutzend Schritte gegangen war, hielt ihn die Stimme des Schamanen zurück. Der Schamane, alt und gebeugt, stand am richtigen Ufer, dort wo die Wege aus dem Dorf usammentrafen. Er war unsichtbar für die Augen des Jungen, aber doch hörte der Junge sein klares deutliches Rufen.
- Jon! Kehr um! Tabu!
Jon hätte nicht auf den Schamanen hören müssen. Die Macht der Schamanen war eigentlich vorbei, denn alle im Stamm hatten sich schon einer anderen Gottheit zugewandt - häufig Gott der Güte genannt. Diese Gottheit brauchte die Stammesweisen nicht, weil die neuen Rituale von Priestern abgehalten wurden, die aus dem fernen Land kamen. Und trotzdem, obwohl der Gott der Güte schon fast anderthalb Jahrhunderte herrschte, hatte der Stamm nach dem Tod des letzten Schamanen einen neuen gewählt - und die Priester hatten davor die Augen verschlossen.
Zwar dienten die Schamanen den alten Gottheiten, von denen man sich abgewandt hatte, "den Götzen" - wie ein jüngerer Priester hartnäckig wiederholte, aber sie schützten auch das Dorf vor deren Rache und heilten Krankheiten. Die Priester waren im Gegensatz zu den Schamanen der Schrift kundig, waren frei von Aberglauben, und sie brachten - wie liebte Jon das Wort - die Zivilisation, kamen aber nicht mit den alten Göttern zurecht, mit deren rachsüchtiger Natur, auch nicht mit den Krankheiten, die die Stammesmitglieder quälten. Man flüsterte sogar, daß eben gerade diese Leute in langen Gewändern einen Teil dieser - früher im Dorf unbekannten - Krankheiten aus verschiedenen fernen Ländern und über die Meere mitgebracht hätten. ...
Die Priester tolerierten immer noch die Anwesenheit des letzten Schamanen (früher waren es viele gewesen), gaben vor, ihn nicht zu bemerken, und gestatteten von Zeit zu Zeit die Trommelrituale an früheren Feiertagen - nur Blutopfer erlaubten sie nicht. Die früheren Götter hatten sie gebraucht; der Gott der Güte lehnte sie ab, verurteilte sie sogar. Vorerst.
Heute war eben diese Nacht der Alten Götter, eigentlich des wichtigsten unter ihnen, dessen Namen man nie aussprach, um ihn schneller und leichter zu vergessen. Deshalb begannen die Trommeln ihren Rhythmus gleich nach Anbruch der Dämmerung zu schlagen, und als die Nacht aufzog, war ihr Rhythmus schon wahnsinnig schnell und die Trommler naß von Schweiß. Der Schweiß rann über ihre nackten Körper, fiel in großen Tropfen zur Erde, versickerte in ihr, als sei er die um Verzeihung bittende Gabe des Stammes für den verlassenen und schon namenlosen Gott. Die Trommeln klangen fast bis zum nächsten Morgen, aber die Priester versteckten sich in ihrem Gotteshaus und gaben vor, nichts zu hören.


Aus dem Polnischen von Ulrike Bischof

Kritik

"Die Götter des Romans Terakowskas sind einsam, da die Mehrheit der Menschen sie nicht verstehen und anhören will oder kann. Ihre Namen werden nur als nichtssagende Ausrufezeichen gebraucht. Die Religion jedoch wird als Herrschaftsinstrument betrachtet. [...] Die Einsamkeit der Götter ist kein einfaches, in der Lektüre leichtes Buch, es greift Probleme auf, deren Lösung Reife und Wissen erfordert."

Micha³ Zaj±c



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